Freitag, 4. Dezember 2015

[2/2] Fasten - Die Umsetzung
oder auch: Scheitern im großen Stil

Gestern die Theorie, heute die Praxis. Also so in etwa. Aber lest selbst.

Auftakt.
Der nicht direkt erste Fastentag, aber der Auftakt dazu, war der "Entlastungstag". Ich weiß nicht, in wie fern dieser Tag sein muss, ich habe mich jedenfalls dafür entschieden. Mir war an diesem Tag wichtig: kein Koffein, kein Alkohol (damit habe ich bereits zwei Tage vorher begonnen), keine tierischen Produkte, keinen Zucker (Fruchtzucker ausgenommen), wenig Fett, möglichst leichte Speisen. Umgesetzt sah das dann so aus: morgens gab es Congee aus Vollkornreis mit Banane, Apfel und einem Schlag Kürbispüree. Mittags dann das restliche Kürbispüree mit Rosenkohl, Fenchel und Pastinake. Abends dann nur etwas Rohkost. Am nächsten Tag ging es dann richtig los: keine feste Nahrung mehr.
Also theoretisch. Denn, haha, das war wohl nichts. Der Plan war gut, die Umsetzung scheiterte.



Fail.
Tag 1. Nachdem ich für mich verhältnismäßig spät aufgestanden bin, gab es zunächst etwas Ingwer-Zitronen-Wasser, eine Tasse Tee und nach kurzer Zeit, als das Hungergefühl einsetzte, den Saft: Ananas-Gurke-Apfel-Mandarine-Kiwi. Sehr gut! Mittags dann die geplante Brühe, zwischendurch tassenweise Tee. So weit, so gut. Aber dann merkte ich schon, wie Lust und Laune sanken. Bisher so gar nichts gekaut zu haben, fiel mir deutlicher auf, als gedacht. Ich bekam nach kurzer Zeit schon wieder Hunger. Es heißt ja, dass das Hungergefühl nach ein paar Tagen verschwindet. Natürlich kenne ich das Gefühl und dachte mir daher, dass ich das bis zu dem Punkt des Verschwindens schon hin kriege. Der feine Unterschied ist nur: wenn ich bisher Hunger verspürte, war die Aussicht auf Essen nie fern. Nun schon. Und das machte das Ganze nicht besser.
Aber hey, wem muss ich hier eigentlich was beweisen? Eben. Auch wenn ich es physisch wahrscheinlich geschafft hätte, machte der Kopf mir einen Strich durch die Rechnung. Ganz abbrechen wollte ich die Woche aber auch nicht, schließlich war der Resetgedanke dahinter durchaus begründet. Also schloss ich einen Kompromiss: die Fastenwoche wurde in eine Art Detoxwoche umgewandelt. Ähnlich wie damals bei der 7-Tage-Grün-Woche, nur dass ich diesmal meinen anfängliche Plan fast beibehielt, allerdings etwas aufgelockert: das Frühstück bestand weiterhin aus Saft, für's Gemüt wurde auch mal eine Mandarine gegessen oder vom Apfel abgebissen, bevor er in den Entsafter wanderte. Mittags und abends gab es entweder Rohkost oder die geplante Brühe, allerdings mit etwas Gemüseeinlage. Dazu oder zwischendurch gönnte ich mir ein paar Nüsse. Ansonsten wie oben beschrieben: Kein Koffein, kein Alkohol, keine tierischen Produkte, kein Zucker, kein "Überfressen" wegen zu großen Portionen, keine industriell verarbeiteten Produkte (Ausnahme: Leinöl, Salz, Pfeffer).

Und siehe da. Ab Tag 2 lief das richtig gut. Ich hatte kaum Hungergefühle (außer mal, wenn es ein langer Arbeitstag und abends spät wurde) und die Laune war nicht im Keller. Mein leider allzu bekanntes Frühabends-Müdigkeitstief blieb interessanterweise überwiegend aus. Jeder Saft schmeckte vorzüglich, Suppe und Rohkost (in Form von Gemüsesticks oder Salat) ebenso und wurde mir auch nicht langweilig. Ja, so hat mir die Woche richtig gut getan und ich sollte das nun wirklich häufiger mal zwischendurch einlegen.

Und nun? 
Den deutlichsten Unterschied habe ich beim Zuckerjieper gemerkt. In den letzten Wochen habe ich verhältnismäßig häufig zuckerhaltig genascht. Egal ob hier mal einen Keks, da mal ein Stückchen Bitterschokolade oder der Finger in der Erdnussbutter. Ihr wisst schon. Und in den ersten zwei Tagen, in denen ich so bewusst gegessen habe, hatte ich tatsächlich auch einmal 'nen Zuckerjieper. Lust auf Kuchen, Lust auf Schokolade. Beides Dinge, die eigentlich gar nicht häufig esse, weil kaum Verlangen danach da ist. Sprich - ich habe eigentlich keine Jieper auf so Zeugs! Von daher werde ich nun wieder verstärkt darauf achten, mich eher zuckerarm bis -frei zu ernähren. Zumindest was Haushaltszuckerarten betrifft. Bis auf die letzte Zeit habe ich das eigentlich eh schon getan, aber irgendwann kam das ins Schludern. Schon allein um mir das bewusst werden zu lassen, war diese Woche -wenn auch anders abgelaufen als geplant- hilfreich. Und vielleicht geh' ich die richtige Fastenwoche ja doch nochmal an.

Nachdem ich mal wieder gemerkt habe, wie sehr ich meinen Entsafter lieb' und weil die Ergebnisse gar so lecker waren, schreib' ich euch hier noch meine Saftkombinationen auf: 

  • 4 Karotten, 1 rote Bete, 1 Fenchel, 1 Apfel, 1 Orange
  • 1/2 Ananas, 1/2 Gurke, 2 Äpfel, 1 Kiwi, 1 Mandarin
  • 1/2 Ananas, 4 Karotten, 1 rote Bete, 1 Orange
  • 3-5 Karotten (kommt einfach auf die Größe drauf an), 3 Orangen, 1 Grapefruit, 1 Apfel, Ingwer
  • 3-5 Karotten, 2 Orangen, 2 Birnen, 1 Fenchel, Ingwer
  • 3-5 Karotten, 2 Äpfel, 1 Fenchel, 1 Grapefruit, 1 Orange
  • 3-5 Karotten, 2 Birnen, 1 Apfel, 2 Mandarinen, 1/2 Zitrone, Ingwer
(Jap, ich habe einen Hang zu Karotten im Saft - davon habe ich euch ja schon berichtet.)

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir sagt, was ihr über die "Fasten"beiträgen denkt. Was haltet ihr denn vom Fasten allgemein? Habt ihr es schon versucht?


Kommentare:

  1. Ich hab das auh mal versucht....und bin ebenfalls gescheitert. Eigentlich hatte ich mir gedacht, dass meine Verfressenheit mir einen Strich durch die Rechnung machen würde....ich esse einfach zu gern, und der totale Verzicht, holla, das ist schon ein großes Wort. Aber das war es dann gar nicht.....ich hab zwei Tage prima durchgehalten (und mich an der Gemüsebrühe erfreut ;-) )....und dann bekam ich aber sehr interessante Herzrhythmusstörungen....die haben mich ganz fix wieder an feste Nahrung rangeführt. Dennoch...ich sollte es mal wieder versuchen. Aber eher im Frühjahr als im Winter.

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    1. Oha, mit Herzrhytmusstörungen ist dann natürlich nicht zu spaßen. Weißt du, inwiefern es da den Zusammenhang mit dem Fasten gab?

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    2. Ich mische mich mal ein. Wenn man jung ist und normalerweise keine HRST oder Stolperer (Palpitationen) kennt, dann sind i.d.R. folgende Auslöser möglich (nur auf Ernährung beschränkt): zu wenig Wasser (Dehydration), Mangel an Calcium/Kalium/Magnesium (die häufigsten Elektrolyte, die HRST verursachen)...

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  2. Hallo Ramona,
    Also erstmal vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Etwas verwirrt war ich vom Zusatz "Scheitern im großen Stil", denn damit hatte ich persönlich assoziiert, dass du das ganze Experiment beendet hast und wieder normal gegessen hast. Was du dann aber beschreibst, ist für mich kein Scheitern. Im Gegenteil: für mich ist es eine sinnvolle Änderung der "Fasten"-Idee. Man soll sich ja nicht quälen...! Und vielleicht magst du es ja irgendwann noch mal mit dem "richtigen" Fasten probieren; im Hotel oder einer anderen Einrichtung, wo man nicht alleine fasten muss. :) Ich finde es auf jeden Fall super, was du geschafft hast! Großes Kompliment und noch mal Danke für deine interessanten Berichte. Ich finde es toll, dass du hier darüber geschrieben hast.

    Liebe Grüße
    Nika

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    1. Hey Nika, vielen Dank für deine lieben und aufmunternden Worte. Für mich war es halt ein "Scheitern" in dem Sinne, dass mir direkt am ersten Tag (ich meine, EIN Tag... ;-) ) klar wurde: das funktioniert nicht. Aber ja, den Gedanken daran werde ich nicht so schnell verwerfen und es bestimmt nochmal angehen, irgendwann. :)

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  3. Ich finde nicht, dass Du im großen Stil gescheitert bist. Da hätte ich jetzt erwartet, dass Du alles über Bord wirst und Dir ne 300g Milka in einem Haps reinziehst oder so ;)
    Mich würde fasten oder eine Woche „detoxen“ schon auch interessieren. Ich hab aber mal aufgeschnappt, dass es vom Ayurvedischen (?) her für den Körper eher anstrengend ist, wenn man sowas in der kalten/dunklen Jahreszeit macht. Deswegen gönn ich mir jetzt noch Plätzchen und Co und probier das Ganze dann mal im Frühjahr aus.

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  4. Ich habe vor 2, oder 3?, Jahren mal für 3 Tage gefastet und es hat überraschend gut geklappt. Ich habe mich auf alles eingestellt und das wenigste ist passiert. Ich war richtig fit, konnte immer noch Sport machen etc. Hab es aber vorsorglich in meinen Ferien gemacht und im Frühling, da ich angst hatte sonst die ganze Zeit eine Frostbeule zu sein und auf der Arbeit schlapp zu machen;) Das kauen hat mir aber auch gefehlt, deswegen war mir am dritten Tag klar, das ich es nicht länger mache...Ich wollte einfach endlich mal wieder in das Obst und Gemüse reinbeissen und nicht nur in den Entsafter stecken;)
    Ich finde übrigens das du nicht wirklich gescheitert bist, klar hast du das Fasten nicht im ursprünglichen Sinn geschafft, aber irgendwie hast du ja dennoch gefastet. Es war auf jeden Fall ein richtiges Detox, und das gehört ja schon so gut wie zum Fasten;) Und das jetzt in der Weihnachtszeit, Hut ab!!=)
    Liebe Grüsse,
    Krisi

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  5. Ich habe im Januar diesen Jahres eine Fastenwoche gemacht, bei mir gab es auch Tee, Brühe, Gemüse und Obstsäfte. Wollte das auch schon lange mal Testen habe mich aber nie dazu durchgerungen.Dann hatte eine Facebook Freundin immer bischen vom Fasten gepostet und geschrieben, und so hab ich meinen inneren Schweinehund auch überwunden. Und wenn ich was mache dann aber richtig. Also dann muss man ja den Darm föllig leeren, hab ich mit Sauerkrautsaft versucht, kann mich aber gar nicht mehr erinnern ob es geholfen hat. Glaubersalz wollte ich nicht nehmen.Auf alle Fälle habe ich das tatsächlich eine ganze Woche locker und ohne zu hungern mit viel Tee, Wasser, die Gemüsebrühe konnte ich irgendwann nicht mehr trinken durchgehalten.Ich hatte zu der Zeit allerdings Urlaub, habe sehr viel geschlafen,(mir war auch immer kalt) und ab und an hab ich mal einen Spaziergang gemacht denn Bewegung an frischer Luft ist beim Fasten sehr wichtig.Nach der Woche fühlte ich mich dann wie ein neuer Mensch. Wichtig für die Darmreinigung sind auch regelmäßige Einläufe!!! Ich habe vor das dieses Jahr wieder zu machen, denn man befreit sich damit von den Altlasten. Ich kann es wenn Ihr körperlich Fit seid nur empfehlen. Aber jetzt genießt erst mal die Advent und Weihnachtszeit, und die vielen Leckereien.
    Seid lieb Gegrüßt
    von Tina

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  6. Hallo meine Liebe, ich kann dein Gefühl des Scheiterns verstehen, aber eigentlich ist es wie die anderen schon sagen totaler Quatsch, denn du hast die Woche mit einer gesunden, sehr reduzierten, und wenn ich das richtig herauslese sehr säurearmen Ernährung vollbracht. Das ist super für den Körper und absolut sinnvoll ab und zu einmal zu machen.

    Ich hatte mir Saftfasten für dieses Jahr ganz fest vorgenommen gehabt und habe einen probe Tag einmal durch gehalten, das ging auch erstaunlich gut, aber wenn ich nur daran denke eine Woche lang keine feste Mahlzeit zu mir zu nehmen, bekomme ich schon Heißhunger-Attacken^^.

    Nach all meinen Vorsätzen Anfang des Jahres schleift es bei mir auch gerade sehr und das ärgert mich weil der Zeitmangel auch sonst den Sport reduziert und alles möglich Nebensächlich wird.

    Ich fand deinen Bericht super und du kannst stolz auf dich sein, das du die Woche so weiter gemacht hast und durchgehalten hast. Anfang des Jahres werde ich es auch mal wagen ;-) aber genau wie du auch im Arbeitsalltag - weil Urlaub heißt auch stundenlanges in der Küche stehen und kochen, Einkaufen, Essen gehen oder eben Wegfahren und sich im Hotel verwöhnen lassen.

    Liebe Grüße
    Samira

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