Mittwoch, 11. November 2015

Buchvorstellung | Vegetarissimo

Rezepte von den Besitzern eines vegetarischen Restaurants in Umbrien, Italien. Klingt spannend, oder? Das dachte ich mir zumindest, als ich von diesem Buch erfuhr. Allerdings muss ich ehrlich sagen, ich habe etwas ganz anderes erwartet. Aber dazu später mehr.




Autoren: Malu Simões, Alberto Musacchio
erschienen: 2015 im Thorbecke Verlag
328 Seiten, Hardcover
34,00€ 
ISBN: 978-3-7995-0679-3

Klappentext:
Beste frische und saisonale Zutaten sorgen zusammen mit innovativen Ideen für Rezepte, bei denen einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Genießen Sie die italienische Küche von einer ganz besonderen Seite: köstliche vegetarische Gaumenfreuden von Antipasti über Primi Piatti und Secondi bis hin zu zartschmelzenden Dolci.

Inhalt und Optik
Vegetarissimo ist das zweite Buch des Ehepaares Simões und Musacchio. Dieses sollte im Gegensatz zum ersten Kochbuch etwas einfachere, weniger komplizierte und auch für den Normalbürger gut machbare Rezepte enthalten. Die Kapitel beinhalten:
  • Antipasti & Appetithäppchen
  • Erster Gang
  • Zweiter Gang 
  • Desserts
Jedes Kapitel endet mit ein paar Seiten "Geschichte" - Erlebnisse aus dem Restaurant, Vorgehensweisen in der Küche, Vorstellung der Familie und des Teams. Unterhaltsam, interessant und schön zu lesen. Das Buch bekommt dadurch einen sehr persönlichen Touch. Im Vorwort werden die Fotos angesprochen: das Buch wurde neben dem normalen Restaurant- & Hotelbetrieb geschrieben, die Gerichte alle dort gekocht. Ein Fotostudio gibt es nicht, also wurde auch dort -in der Küche, auf der Terasse, dem Gelände- fotografiert. Das führt zu einfachen, aussagekräftigen und oft stimmungsvollen Fotos. Aber auch die Menschen, die hinter dem Betrieb stehen, sowie das Grundstück sieht man häufig. Auch hierdurch entsteht wieder viel Gefühl.



Rezepte
Zunächst mal ganz objektiv: Die Rezepte sind strukturiert aufgebaut, ordentlich und gut verständlich erklärt. Jedes Rezept hat ein Foto, sowie Angaben über Personenzahl, Zeit und Schwierigkeitsgrad. Häufig finden sich auch Hinweise zur glutenfreien oder veganen Zubereitung. Und damit wären wir schon bei meinem subjektiven Eindruck: wie bereits oben erwähnt, habe ich mir bei diesem Buch etwas anderes vorgestellt. Warum? Ich habe bei "einfachen Rezepten für den Normalbürger" an italienische Hausfrauenkost, Klassiker, nur halt vegetarisch, gedacht. Man findet diese Klassiker hier durchaus, aber eben auch eine Vielzahl an Neuinterpretationen und Eigenkreationen. Im Nachhinein ist das natürlich absolut verständlich: die Rezepte entstammen den Köchen eines erfolgreichen, vegetarischen Restaurants. Dass es da nicht nur die 'üblichen Verdächtigen' gibt, hätte ich mir eigentlich denken können.
So finden sich in dem Buch viele verschiedene Rezepte, auch oft mit ausländischem Einschlag wie z.B. Kibe de Queijo, ein Gericht aus dem nahen Osten, Reis-Timbale oder vegetarisches Sushi. 
Die italienischen Rezepte überwiegen aber schon: Risotto mit Radicchio und Walnüssen, Rösti mit sizilianischem Gemüse, Ribollita, Biscotti, ...
Allerdings finde ich, dass der Anspruch an unkomplizierte Rezepte nicht immer getroffen wurde. Es gibt durchaus einige Rezepte mit langen Zutatenlisten und Zubereitungsdauer. Zudem sind viele Gerichte für sechs und acht Personen ausgelegt. Ich selbst habe nichts gegen aufwändige Rezepte und das Umrechnen ist zwar ein bisschen nervig, aber machbar. Das Restaurant und somit auch die Rezepte sind sehr modern, was sich durch glutenfreie oder vegane Alternativen deutlich macht. Das ist mir persönlich fast schon zu viel. Andererseits natürlich aber auch zeitgemäß.

Im Test



Auch das erste Rezepte lies mich zunächst zwiegespalten: Für die Paté di Verdure wird das Gemüse zunächst roh zu einem Brei gemixt, der dann noch eingekocht wird. Beim Mixen hat mich der Geruch bereits etwas abgeschreckt und nach dem köcheln fiel die Geschmacksprobe auch nicht allzu positiv aus. Zum Glück habe ich die Paste aber vorbereitet, so dass sie bis zum nächsten Tag abkühlen konnte. Denn dann, kalt und etwas nachgewürzt, war sie richtig lecker und der ideale Dip für die Tarallucci. Zwar haben wir nicht ansatzweise die angegebene Menge an Keksen herausbekommen und so braun wie im Buch sind sie trotz verlängerter Backzeit auch nicht geworden, aber geschmeckt haben sie dafür super. Weißwein und Fenchelsamen im Teig machen ordentlich was her.


Als ich das Rezept für Spaghetti di Zucchine von Pomodori al Forno - Zucchinispaghetti mit gerösteter Tomatensoße -  sah, dachte ich mir mal wieder: So ein simples Rezept in einem Kochbuch? Na, das muss ausprobiert werden. Und auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Die Zucchini werden gebraten, nicht gekocht und die Tomaten werden im Ofen geröstet. Alles in allem eine harmonische Kombination.


Fazit
objektiv
Ein interessantes Buch - moderne, italienische Küche. Klassiker, aber auch stark innovative Gerichte finden hier zusammen. Gespickt mit Anekdoten eines Restaurants- und Hotelbetriebes. Nicht ganz günstig, aber wenn man weiß, worauf man sich mit diesem Buch einlässt, durchaus in Ordnung.


subjektiv
Meine persönliche Meinung konntet ihr in den Bewertungen ja bereits erahnen: anfangs skeptisch, an manchen Stellen nicht ganz einverstanden, aber im Test dann überzeugend.


Herzlichen Dank an den Thorbecke Verlag zur kosten- und bedingungslosen Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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