Mittwoch, 11. März 2015

Buchvorstellung | Salat-Power

Ganz im ernst: Salate gehören zu den Speisen, die ich täglich essen könnte/kann, ohne dass es mir irgendwann zu viel wird. Das kann ich nicht von jedem Nahrungsmittel behaupten, aber bei Salat ist es definitiv so. Ein Buch mit dem Titel "Salat-Power" ist daher natürlich recht verlockend gewesen.



Salat-Power, mehr als 250 Rezept für jeden Tag
Autor: David Bez
erschienen: 2015 bei Edition Fackelträger
(Original: 2014, Quadrille Publishing Ltd)
304 Seiten
19,99€
Hardcover
ISBN: 978-3-7716-4589-2

Klappentext:
* Mehr als 250 Rezepte für jeden Tag
* Mit veganen und vegetarischen Varianten für jeden Salat
* Gesunde und schnelle Ideen für die Mittagspause im Büro
Frisch, knackig und gesund - Salat ist die ideale Mahlzeit für die Mittagspause im Büro. Würden Sie sich nicht gerne anstelle des alltäglichen Kantinenessens oder einem fettigen Snack vom Imbiss gesund ernähren? Dann lassen Sie sich von den mehr als 250 Salatideen in diesem Buch inspirieren, die Sie schnell und einfach an Ihrem Schreibtisch zubereiten können.

Naja, zugegeben: Der Werbetext für dieses Buch ist etwas lasch. Allein der letzte Teil "an Ihrem Schreibtisch zubereiten" macht vielleicht neugierig, was damit gemeint sein könnte, aber ansonsten ist das ein Text, der sich nicht von der breiten Masse abhebt.



Inhalt und Optik
  • Einleitung (mit Kapiteln wie "Dressings" und "meine Arbeitsutensilien")
  • Sommer
  • Herbst
  • Winter
  • Frühling
  • Register
"Das ist kein Kochbuch" - so lautet das erste Kapitel der Einleitung, welches mit dem Satz "Ich bin kein Koch." beginnt, und damit den Nagel auf den Kopf trifft. Rezepte im klassischen Sinn sucht man hier vergebens. Es gibt lediglich Zutatenauflistungen, keine Zubereitungstexte, Zeitangaben oder Ähnliches. Lediglich die Portionenangabe wird einmal genannt und gilt für alle Rezepte: 1 Portion.
Die Intention von Bez war nämlich Folgende: Weg von Fertigmahlzeiten, frische Lebensmittel in der Mittagspause, einfach zuzubereiten (nämlich direkt in der Arbeit, am Schreibtisch. Stichwort: Messer und Salatschleuder in der Schublade ;-) ). Also hat er angefangen, zum Lunch Salat zu essen - aber nicht immer den Selben, damit's nicht langweilig wird und hat somit über 250 Variationen in diesem Buch hinterlassen.
Neben Grundlagen, wie dem Anrichten eines Salates inkl. Erklärung der Bestandteile (Basics, Gemüse & Früchte, Eiweiß, Toppings, frische Kräuter, Dressing & Gewürze) werden auch noch vor den Rezepten 24 verschiedene Dressings vorgestellt.
Wie an der Inhaltsauflistung zu erkennen ist, sind die Rezepte nach Jahreszeiten sortierte - hübscherweise hat jede Jahreszeit ihren eigenen Seitenfarbrand, so dass man bereits beim schnellen Blättern zwischen den Zeiten unterscheiden kann. Man muss hierbei aber bedenken, dass Bez nicht aus Deutschland, sondern Italien kommt. Daher finden sich im Sommerkapitel auch Rotkohl, Süßkartoffeln und Spinat, was hierzulande eher dem Herbst/Winter zuzuordnen ist. Das finde ich aber nicht weiter schlimm.
Die Salatfotos hat Bez alle selbst gemacht - direkt am Schreibtisch. Das sieht man natürlich, manche Fotos sind etwas unscharf, die Lichtverhältnisse unterscheiden sich manchmal und es gibt kein aufwendiges Foodstyling. Letzteres bedeutet aber nicht, dass die Salat nicht optisch ansprechend angerichtet wurden.
Die Seiten sind aus glattem Papier, "kleben" aber nicht zusammen, wie man das manchmal kennt und lassen sich gut durchblättern. Je nachdem, welche Salatvariante man sich gerade anschaut, bleibt das Buch nicht von alleine offen liegen. Da es hier aber keine Zubereitungsschritte gibt, die man nach und nach einhalten und ggf. nachlesen möchte, ist das meiner Meinung nach vernachlässigbar.



Die Rezepte
Jedem Rezept - eigentlich müsste es ja eher Salatidee, -variation, -zusammenstellung oder so heißen - wurde eine Kategorie zugewiesen: Vegetarisch, vegan, Rohkost, mit Fleisch, mit Fisch. Gleichzeitig gehört aber auch zu jedem Rezept eine Variante aus einer der anderen Kategorien, was ich toll finde. 
Wie bereits erwähnt: Das ist kein Kochbuch, es gibt keine Zubereitungsschritte. Man sollte als Küchen-Grundkentnisse mitbringen und wissen, was zu tun ist, wenn dort "Butternusskürbis, geschmort" oder "grüne Bohnen, gedünstet" steht. Die Titel der Salatvariationen sind mir etwas zu durcheinander. Erst dachte ich, dass immer die Hauptzutaten einfach aufgezählt werden (was ich durchaus plausibel fände), aber bei manchen Rezepten trifft diese Vermutung nicht zu. Auch die gewählte Reihenfolge der genannten Bestandteile -für mich wäre es sinnvoll, diese nach der vorhandenen Menge aneinander zu reihen- erschließt sich mir nicht. Nörgeln auf hohem Niveau wahrscheinlich, aber mir ist das doch stark aufgefallen. 
Natürlich sind sich wiederholende Zutaten bei über 250 Salatideen zu erwarten, aber die Kombinationen, auch die der gewählten Dressings, sind so vielfältig zusammengestellt, dass kein Rezept einem Weiteren zu sehr gleicht.
Den ein oder anderen inhaltlichen Fehler habe ich entdeckt, z.B. im Register eine vergessene Zahl bei einer Seitenangabe oder die Variante "statt Sojasahne", welche im eigentlichen Rezept gar nicht verwendet wird (sondern Sojasauce). Auch wenn das kein Profi-Kochbuch ist und es keine gravierenden Fehler sind, finde ich, dass so etwas nicht passieren sollte.
Dadurch, dass die Portionen immer für eine Person ausgelegt sind, finden sich häufig kleine Lebensmittelmengen. "80g Grünkohl, 50g Kichererbsen, 30g Pecorino, 2 Spargelstangen" sind keine Seltenheit. Hierbei muss man aber bedenken, dass Bez fünf Tage der Woche im Büro Salat gegessen hat und die Zutaten dadurch schon nach und nach aufgebraucht hat. 





Im Test
Ich gehöre ja zu den Personen, die ihren Salat am liebsten im Dressing ertränken. Daher habe ich bei jedem probierten "Salat-Power"-Rezept zu Beginn gedacht, dass das wohl eine recht trockene Angelegenheit. Und jedes Mal lag ich falsch.

Von dem Karottensalat habe ich mir gar nicht zu viel erhofft, schließlich kenne und mag ich ihn und auf die Kombination mit Orangen ist nicht neu. Die Pistazien und das Dressing (u.a. mit Cashewnüssen) haben aber tatsächlich einiges her gemacht, so dass wir von diesem Salat äußerst angetan waren. Nur werde ich die Karotten das nächste Mal raspeln, diese Stäbchen waren einfach unpraktisch zu essen. Von der Menge her war er genau richtig, wir aßen ihn zu zweit als Beilage. Als Hauptmahlzeit für eine Person wäre er ebenfalls optimal.
Beim nächsten Rezept siegte die Neugier über die Skepsis. Pastinaken in roher Form waren mir bis dato unbekannt, aber die Verbindung mit Grapefruit, Rosinen, Mohn und Kokos im Dressing klang zu verlockend. Auch dieser Salat überzeugte absolut. Mengenangabe: optimal für mich alleine.
Bei Nummer Drei "Datteln, Fenchel & Mandeln" habe ich mir etwas Spielraum gewährt. Eine Handvoll getrockneter Datteln kam mir zu viel vor, außerdem hackte ich die Mandeln und Datteln klein. Den Fenchel lies ich vorab etwas in dem Dressing, bei dem ich etwas mehr Essig verwendete und einen Schuss Wasser zugab, marinieren. Den Dill habe ich leider vergessen- obwohl extra dafür gekauft, hmpf. Das Ergebnis war dann aber trotz allem richtig gut und wurde sogar vom Mann gegessen (was ich aufgrund von rohem Fenchel und Datteln erst bezweifelte).

Das einzige 'Problem' ist direkt beim ersten Proberezept aufgetaucht und hat sich auch über die Weiteren gezogen. Manche Dressings verlangen danach, püriert zu werden - nur sind die Mengen viel zu gering für meinen Pürierstab, das hat so nicht geklappt. Ich bin dann auf Muskelkraft umgestiegen und habe die Dressings im Mörser "püriert".




Fazit
objektiv
Sucht man Inspiration und Ideen, um den Salatverzehr etwas aufzupeppen, liegt man mit diesem einfachen Buch genau richtig. Braucht man allerdings Grunderklärungen bzgl. Zubereitungsarten, ist von Salat schnell gelangweilt oder bevorzugt schön drappierte Essensfotos, wird man hiermit nicht glücklich. Der Preis ist aufgrund der Menge der Rezepte und der dadurch angebotenen Vielfalt angemessen.

subjektiv
Ich bin sehr, sehr zufrieden mit diesem Buch und bin froh, dass ich Salat-Power mein Eigen nennen kann. Wie bereits am Anfang erwähnt: Ich liebe Salat. Salat geht bei mir -ungelogen- immer. Und mit diesem Buch kann man ganz einfach (wirklich ohne viel Aufwand) etwas Farbe ins Grün bringen. 

Bevor David Bez überhaupt an ein Kochbuch gedacht hat, ist er übrigens unter die Foodblogger gegangen: SaladPride heißt sein Blog.



Herzlichen Dank an den Edition Fackelträger Verlag zur kosten- und bedingungslosen Bereitstellung des Rezensionsexemplares. 

Kommentare:

  1. Hallöchen,
    Vielen Dank für die schöne Rezension dieses Buches. Ich finde es klasse, dass du außerdem schon einige Ideen aus dem Buch getestet hast und auch hierzu ganz subjektiv deine Meinung äußerst. Beim Dressing denke ich, dass man wahrscheinlich eine größere Menge Dressing auf Vorrat produzieren würde, wenn man jeden Tag Salat isst. Dann klappts wahrscheinlich auch mit dem Pürierstab. Aber der Mörser ist ja auch eine tolle Alternative - wobei mir einfällt, dass ich schon immer mal einen Mörser haben wollte und mir endlich mal einen anschaffen sollte. :)

    LG
    Nika

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    1. Hey Nika,
      ja, eine größere Menge zubereiten wäre wahrscheinlich das Sinnvollste. Aber dann kann man ja gar nicht so oft neue Varianten ausprobieren... Ach, das passt schon mit dem Mörser. :D
      LG, Ramona

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  2. Ich habe gleich mal den SaladPride Blog in meinen Feedreader gehauen - ich bin gespannt, auf was tolles ich stoßen werde. ;)

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