Mittwoch, 25. März 2015

Buchvorstellung | The Art of Simple Food

Ganz ehrlich - als ich eine Mail vom Prestel Verlag erhielt, in der mir von Alice Waters und u.a. ihrem Buch "The Art of Simple Food" erzählt wurde, hab ich erstmal wie so'n Auto geschaut. Prestel Verlag war mir nicht wirklich bekannt und Alice Waters erst recht nicht. Dabei stand da geschrieben, dass sie die berühmteste Köchin Amerikas sei. Oops. Zum Glück gibt es ja oft die Möglichkeit online in Bücher reinzulesen. Das habe ich dann direkt getan und mir gefiel auf Anhieb was ich sah. Daher freue ich mich, heute die Möglichkeit zu haben, euch das Buch etwas genauer vorzustellen.




Autor: Alice Waters
erschienen: September 2014 im Prestel Verlag, München
(Original: 2013 bei Clarkson Potter/Publishers)
436 Seiten, Hardcover
34,95€
ISBN: 978-3-7913-4991-6

Klappentext:
[...]So wird Kochen zu großen Freude. Dieses Buch vermittelt dem Leser - und allen, die kochen, das Glück, mit genau den Zutaten umzugehen, die jeweils zur Verfügung stehen, lokal gekauft oder sogar selber angebaut werden können.Eine köstliche Küche: klar, einfach, saisonal und frisch!
Saisonal. Selbst angebaut. Einfach. Frisch. Bewusst mit Lebensmitteln umgehen. Check, check, check. Das sind Themen, die immer aktuell sind (oder sein sollten) und mich sehr interessieren.

Inhalt, Optik, Haptik
Besonders aufgefallen ist mir direkt beim aufklappen, die kurze Auflistung auf dem Inneren des Buchdeckels "Was wir tun können", die mit "Die Landwirte wertschätzen" und bei "Kindern die Kunst des Essens lehren" endet. Toll!
Das Buch ist in mehrere Abschnitte eingeteilt.
Nach einem kurzen Vorwort von Carlo Petrini (Slow Food International Gründer) beginnt es mit Teil I "Geschmack als Inspiration": Nach ein paar Worten zu Waters' eigenem Garten, folgen die Rezepte, die ebenfalls unterteilt sind:
(c) Patricia Curtan

  • Duft und Schönheit (Kräuter und ihre Blüten)
  • Zarte Blätter
  • Geheime Helden 
  • Unterirdische Schätze 
  • Knackige Stängel 
  • Frisch und getrocknet 
  • Im Hochsommer 
  • Farbenfrohe Zichorien 
  • Unentbehrliches Blattgemüse
  • Der Winter naht
  • Reifes Sommerobst
  • Beeren frisch vom Busch
  • Herbstfrüchte und Nüsse
  • Süßes und Salziges mit Zitrusfrüchten
  • Gemüse und Früchte haltbar machen




In Teil II "Vom Samenkorn zur Samenernte" geht es dann um den Eigenanbau von Obst und Gemüse:
  • Überall ist Platz zum Pflanzen
  • Mit der Erde fängt alles an
  • Den Boden bereiten
  • Samen, Setzlinge und gesunde Pflanzen
  • Leckere Ernte
  • Obst im Garten
Das Buch schließt mit einer Erläuterung über Werkzeuge und Quellen, dem Glossar und dem Register.

Man merkt allein jetzt schon: Das ist kein "normales"/0815 Kochbuch, sondern mal etwas ganz anderes. Das wird einem dann auch beim Durchblättern immer wieder deutlich. Aber auf eine durchaus sehr positive Art und Weise!

Ich dachte ja eigentlich immer, ich bin Jemand, der Fotos in einem Kochbuch braucht. Nicht zu jedem Rezept, aber zumindest überwiegend. Nein, so ist es scheinbar nicht. "The Art of Simple Food" kommt nämlich ohne ein einziges Foto aus. Dafür finden sich viele, wunderschöne Illustrationen -alle in grau gehalten- der Obst- und Gemüsesorten darin.
(c) Patricia Curtan

Die Kapitel beginnen jeweils mit der Auflistung der darin zu findenden Rezepte, ein paar einleitenden Worten und dann werden nacheinander die einzelnen Gemüse-, Kräuter- oder Obstsorten vorgestellt (inkl. kurzen Anbautipps), mit anschließenden Rezepten. Dieser Aufbau gefällt mir wirklich sehr gut. Man erfährt so ganz nebenbei (es handelt sich nämlich nicht um seitenlange Ausführungen, sondern kurze, prägnante Absätze) einiges über unsere Lebensmittel, 
Aufgeschlagen bleibt das Buch gut liegen und auch die Seiten fassen sich zum Blättern angenehm an. Dass der Buchrücken mit einer Stoffart bezogen ist, ist eine nette optische und haptische Abhebung zu anderen Büchern.


(c) Patricia Curtan

Rezepte
Auch die Rezepte folgen nicht dem klassischen Aufbau. Anstatt in Zutaten und Zubereitung aufgeteilt zu sein, sind die Rezepte als Fließtext gestaltet, die durch Fettdruck der Zutaten und geschickt gesetzt Absätze aber dennoch äußerst übersichtlich sind. Mir scheint es so, als wären die Rezepte dadurch sogar besonders erklärend und einfach erläutert. Die Mengenangabe steht immer mit dabei und nach etlichen Rezepten finden sich Tipps und Variationsmöglichkeiten.
Die aufgeführten Gerichte an sich sind sehr unterschiedlich und vielseitig. Die Herzhaften überwiegend, aber es finden sich auch einige süße Rezepte im Buch. Manche sind ganz einfach, wie zum Beispiel sautierte Radieschen, gegrillte Frühlingszwiebeln oder Erdbeersaft, andere widerum auch zeitaufwänder: u.a. in Milch geschmorte Schweineschulter mit Salbei oder Panforte mit Orangeat (natürlich selbstgemacht) und Schokolade. Jedes der Rezepte liest sich dabei aber absolut machbar. Auch Basisrezepte wie für verschiedene Teigarten (Pizza-, Nudel-, Pie-, ...), Joghurt, Dressings und Soßen sind vorhanden. 
Nicht alle Rezepte sind für mich nachmachbar, da ich manche Zutaten (Blattsenf, Epazote, Kardonen, ...) hier noch nie gesehen habe. Aber ich werde die Augen danach offen halten!




Im Test
Es ist bei diesem Buch wirklich nicht einfach, sich zu entscheiden. So viele Gerichte haben mich auf Anhieb angesprochen. Diese Vier sind es dann zunächst geworden:
Ein cremiges Dressing aus Zitronen - einfach und herrlich erfrischend. Die Zitrone kommt schön durch, ohne zu dominant zu sein. Perfekt!
Ok, Ofenrosenkohl ist mir nicht neu, im Gegenteil: ich lieb' ihn! Daher musste ich Alice Waters' gerösteten Rosenkohl mit Sesam und Ingwer auch probieren. Jap, schmeckt! Die Kombination passt auf jeden Fall gut zusammen.
Bei der Frittata mit Brokkoli und grünem Knoblauch war ich zunächst skeptisch. Klappt das, hält das - so viel Brokkoli mit verhältnismäßig wenig Ei? Wird der Brokkoli wirklich gar? Alle Bedenken umsonst. Die Frittata lies sich lehrbuchmäßig wenden, der Brokkoli war perfekt. So müssen Kochbuchrezepte sein!
Mit dem ganzen gerösteten Blumenkohl hatte ich leider kein Glück. Ich verwendete schon ein recht kleines Exemplar, musste dennoch ein paar Minuten an die im Buch angegebene Zeit dran hängen, damit er auch mittig einigermaßen gar wurde. Den Tipp, die äußeren Blätter dran zu lassen (weil sie hübsch seien und gut schmecken würden), habe ich beherzigt, was aber dazu führte, dass diese Blätter ziemlich schnell verbrannt sind und daher nicht mehr zu genießen waren. Und dann habe ich auch noch einen arg bitteren Kohlkopf erwischt, so dass wir hiervon leider kaum was gegessen haben. 


(c) Patricia Curtan

Fazit
objektiv
Wie bereits erwähnt, ist "The Art of Simple Food" kein konventionelles Kochbuch. Visuelle Typen, die sich an farbenfrohen Fotos erfreuen, könnten hier enttäuscht werden, sollten dem Buch aber dennoch eine Chance geben, da selbst ohne Fotografien hier ein interessantes und informatives Buch entstanden ist. Die Illustrationen passen optimal zum Gesamtkonzept, welches durch Hintergrundinformationen und ansprechenden Rezepten perfekt abgerundet wird. Der etwas erhöhte Preis ist gerechtfertigt.

subjektiv
Es lässt sich vermutlich schon erahnen: Ich bin sehr angetan von Alice Waters' Werk! Die Gerichte strotzen vor Kreativität, ohne dabei überaus aufwendig oder kompliziert zu sein - der Titel ist daher wirklich perfekt gewählt. Ich freue mich darüber, dieses Buch in meinem Besitz zu wissen und bin gespannt, wie die nächsten Rezepte gelingen und schmecken werden. 





Herzlichen Dank an den Prestel Verlag zur kosten- und bedingungslosen Bereitstellung des Rezensionsexemplares. 

Kommentare:

  1. Guten Morgen,

    das Buch hört sich sehr interessant an! Gut klingt für mich das Rezept mit dem Ofenrosenkohl. Rosenkohl habe ich früher NIE gegessen, erst seit diesem Winter mache ich ihn regelmäßig. Eine Kombination mit Ingwer werde ich dann auch mal testen ;-)

    Liebe Grüße,
    Annika

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  2. Oh, das klingt echt toll. Ich hab's mal auf meinen Wunschzettel geschrieben, den ich dann pünktlich zu Weihnachten wieder hervorziehen kann. :)

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